Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Friedingen

Das Badische Bezirksamt verfügte im Herbst 1937, dass in allen Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnern freiwillige Feuerwehren gegründet werden soll­ten. Am 25.11.1937 wurde daher in der Gemeinde bekannt gegeben, dass alle männlichen Einwohner im Alter von 20 - 45 Jahren abends um 20 Uhr in der Sporthalle zu erscheinen haben, zwecks Gründung einer freiwilligen Feuer­wehr. Nachdem von der Kreiswehr­führung Zweck und Ziele einer Feuerwehr in kurzen Zügen erläutert wurden, erklärten sich 40 Männer durch Unterschrift zum Beitritt der Wehr bereit. Es bedurfte also einigen Druckes von außen, bis sich die Friedinger zur Gründung einer "freiwilligen" Feuer­wehr durchringen konn­ten.

 

25.11. 1937:         Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Friedingen

Feuerwehrdepot: Fahrzeughalle in der 1926 erbauten gemeindeeigenen Kelterei

 

21. 02.1938:         erste Probe

14.03.1938:          „Anfangsausbildung“ durch Zugführer Wenzel aus Singen

23.05.1938:          Ernennung Führungsmannschaft durch Bürgermeister Bader:

                                      Kommandant:  Alfons Heim

                                      stellvertre­tender Kommandant: Ludwig Spiri

05.10 1938:          Ausstattung der Wehr mit Uniformen

19.11.1938:          erste Abschlussprobe      

1938:                    30 Proben; Probenbesuch: 95%

Winter 1939/40:   erster Einsatz:  Infolge einsetzender starken Schnee­schmelze dringt Wasser in den Keller des landwirtschaftli­chen Anwesens Alfons Werkmeister (Kehlhof). Durch Einsatz der Saugpumpe hat die Wehr die Lage schnell im Griff.

Die Friedinger Wehr während der Kriegsjahre

Nachdem im 2. Kriegsjahr der bisherige Kommandant zum Dienst an der Waffe eingezogen wurde, übernahm der bisherige Stellvertreter Ludwig Spiri die Wehr. Im Laufe des Krieges wurde fast die gesamte Wehr, bis auf vier Mann, zum Wehrdienst einberufen.

Mit fortschreitender Dauer des Krieges musste deshalb  zur Sicher­stellung des Brandschutzes zunächst auf die älteren Mitbürger der Gemeinde zurückge­griffen werden. In den letzten Kriegsjahren wurden schließlich auch noch einige Frauen aus der Gemeinde für den Feuerwehrdienst ausgebildet.

In die Kriegsjahre fiel auch der Bau des Brandweihers: Der Gemeinde Friedingen wurde zur Auf­lage gemacht, einen Brandweiher zu erstellen, da im Ernstfall bei Bombenangriffen die vor­hande­nen Hydranten nicht ausreichen würden oder möglicherweise die Wasser­leitung zerstört werden könnte. Die Brandbekämpfung hätte dann mit einer Motorspritze vorgenommen werden können (Anmerkung: Die Frie­dinger Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt nur eine vierrädrige Feuer­spritze mit Handbetrieb).

Anfang Mai 1944 wurde schließlich mit den Arbeiten zum Bau des Brandwei­hers im Pfarrgarten begonnen, die nach knapp drei­monatiger Bauzeit Ende Juli 1944 abgeschlossen werden konnten.

Der Wiederaufbau nach dem Krieg

Nach Beendigung des Krieges wurde das Feuerwehrdepot in der Gemein­de­kelterei von der fran­zösischen Besatzung benutzt. Nach Abzug der Besatzung im Februar 1946 war von der feuer­wehrtechnischen Ausrü­stung ausser einer zweiteiligen Schiebeleiter, einer Anstellei­ter, dem Schlauchwagen und einer Anzahl Schläuche nichts mehr vor­handen.

Die Wehr war 1946 nach Rückkehr der Kriegsteilnehmer noch 27 Mann stark. Aufgrund einer An­ord­nung des franzö­sischen Militär-Gouvernements wurde die Wehrstärke auf 9 Mann beschränkt. Damit die Einsatzbereitschaft der Wehr auch weiterhin gewähr­leistet war, wurde ein Teil der Kameraden als Hilfsfeuerwehrleute verpflichtet.

Die Neugrün­dung der Wehr erfolgte am 24.03.1946, Josef Mayer wurde zum Kommandanten ernannt. Der Wehr gehörten zum damaligen Zeit­punkt 9 ordentli­che Feuerwehrleute und 20 Hilfs­feuerwehrleute an.

Bereits im Jahre 1949 wurde die Beschränkung der Wehrstärke wieder aufge­hoben und die Hilfsfeuerwehrleute  in die Wehr eingegliedert.

Im Jahre 1950 legte Josef Mayer sein Amt aus beruflichen Gründen nieder, am 31.12.50 wurde Hermann Mayer zum neuen Kommandanten der nun 28 Mann starken Wehr gewählt.

Am 17.11.1954 konnte  die neue Trag­kraftspritze TSA 8 samt Anhänger an die Feuerwehr übergeben wer­den. Mit der neuen Motorkraftspritze der Fa. Ziegler / Giengen an der Brenz, ausgestattet mit einem 28 PS-Volkswagenmotor, besaß die Friedinger Wehr endlich eine auf dem neuesten feuerwehrtechni­schen Stand befindliche Ausstat­tung.

Am 01.04.1956 wurde von der Gemeinde eine Feuerwehrabgabe in Höhe von 3 - 20 DM einge­führt, die all jene männlichen Einwohner zu zahlen hatten, die keinen Dienst in der freiwilligen Feuerwehr taten.

Anfang 1957 wurde mit Manfred Brusberg ein neuer Kom­mandant gewählt.

Im Frühjahr 1957 ging ein weiterer Wunsch der Freiwilligen Feuer­wehr in Er­füllung: Die Ge­meinde hatte sich eine elektrische Alarm­sirene mit einer Reich­weite von 6,8 km angeschafft, die auf dem Rathausdach installiert wurde. In den früheren Jahren mußte die Feuerwehr in Friedin­gen mit einer kleinen, handbetriebenen Sirene alarmiert werden.

Die Friedinger Wehr bei Leistungswettkämpfen

Mit der Anschaffung einer TSA 8 im Jahre 1954 konnte die Teil­nahme an den Leistungswett­kämpfen, die damals nach den Richtlinien des Badischen Lan­desverbandes durchgeführt wurden, ins Auge gefasst werden.

Die Friedinger Wehr war auch in den folgenden Jahren immer wieder bei den Kreisfeuerwehrfe­sten mit einer Wettkampfgruppe vertreten und erzielte dabei durchwegs vordere Plazierungen. Als Höhepunkt kann dabei die Teilnahme der Wehr am Landesfeuerwehrfest1963 in Offenburg bezeichnet werden. Auf­grund der gezeigten guten Leistungen durfte die Friedinger Wehr als Vertrete­rin des Landkreises an diesem Wettkampf teilnehmen und errang dabei einen hervorragenden 4. Platz.

Freiwillige Feuerwehr Singen, Abteilung Friedingen

Im Jahre 1971 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Friedingen im Zuge der Gemeindere­form nach Singen eingemeindet. Für die frei­willige Feuerwehr Friedingen brachte dies den Ver­lust der Eigen­ständigkeit. Die Wehr wurde nun in die Freiwillige Feuerwehr Singen als Abtei­lung Friedin­gen integriert.

Dieser gravierende Einschnitt verursachte jedoch keine so tiefen Wunden wie zunächst angenom­men. Den Stadtteilwehren wurde relativ viel Freiraum für die Gestaltung des Feuerwehrdienstes belassen und so konnte dank der umsichti­gen Haltung der Beteiligten eine gute kameradschaftli­che Beziehung sowohl zur Kernwehr als auch zu den einzelnen Stadtteilwehren aufgebaut wer­den.

Der Verlust der Eigen­ständigkeit hatte für die Friedinger Wehr auch seine gu­ten Seiten: Im Ein­gemeindungsvertrag vom 09.11.1971 hatte sich die Stadt Singen verpflichtet, für die Feuerwehr ein Löschgruppenfahrzeug zu kaufen.

Am 01.04.1974 konnte  Oberbürgermeister Möhrle vor dem Singener Rathaus den Fahrzeugschlüssel für ein neues LF-8 Löschfahrzeug der Firma Barchert an den Friedinger Ortsvorsteher Konopka und den Abtei­lungskommandanten Brusberg, der mit einer Abordnung der Wehr erschienen war, übergeben. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten erhielt auch die Überlinger Wehr ein bauglei­ches Löschfahrzeug.

Mit dem neuen Löschfahrzeug, welches mit einem GS3-Gerätesatz und 4 Atemschutzgeräten aus­gerüstet war, hatte die Friedinger Wehr nun die feuer­wehrtechnische Ausrüstung, die dem ständig wachsenden Aufgabengebiet der Feuerwehren gerecht wurde.

Im März des Jahres 1986 gab es einen Führungswechsel bei der Friedinger Wehr. Nach 29 Jahren Amtszeit stellte Manfred Brusberg sein Amt zur Verfü­gung, als Nachfolger wurde Gruppen­führer Walter Höliner zum Kommandan­ten der 44 Mann umfassenden Wehr gewählt.

50 jähriges Jubiläum

Für den neuen Kommandanten gab es dann gleich große Aufgaben auf dem organisatorischen Gebiet zu bewältigen: Im Herbst des Jahres 1986 – ein Jahr zu früh - feierte die Friedinger Wehr unter Mitwirkung der örtlichen Vereine und Unterstützung der Kernwehr das 50-jährige Jubiläum mit Festakt, Ehrungen und Schauvorführungen.

Im Rahmen dieser Jubiläumsfeierlichkeiten führte die Friedinger Wehr eine Geschicklichkeits­prü­fung für Einsatzfahrer der Feuerweh­ren auf dem Parkplatz des EKZ durch.

Umbau des Feuerwehrgerätehauses

Im Herbst 1989 nahmen die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Friedingen unter Leitung von Walter Höliner ein ehrgeiziges Pro­jekt in Angriff: Das Feuer­wehrdepot, das bisher praktisch nur aus einer Fahrzeughalle bestand, sollte weitgehend in Eigenarbeit zu einem Feuerwehrgerätehaus mit Schulungsraum ausgebaut werden.

Am 11.11.1989 wurde der "erste Spatenstich" getan und mit verein­ten Kräften wurden die um­fangreichen Arbeiten in Angriff genommen. Das gesamte Dach­geschoß, das bisher als Rumpel­kammer diente, wurde ausgebaut und beher­bergt nun einen großen Schulungsraum, einem Büro­raum, eine kleine Küche und Toilettenanlagen. Gleichzeitig wurde im Erdgeschoß ein Mannschaftsraum mit Spinden sowie ein kleiner Werkstattraum geschaffen. Nach über 18 Monaten Umbauzeit und insgesamt etwa 4500 Arbeitsstunden konnten die 38 Mann der Friedinger Feuerwehr am 15./16.06.1991 das neue Feuer­wehrgerä­tehaus feierlich einweihen.

War man ursprünglich von 25 % Eigenleistung ausgegangen, so waren letzendlich 80% des Um­baus in Eigenleistung erstellt worden. Eine Leistung, auf die die Friedinger Wehrmänner mit gutem Grund stolz sein können.

Kreisfeuerwehrtage 1995

Vom 30.06. bis 03.07.1995 richtete die Freiwillige Feuerwehr Friedingen den 45. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Konstanz aus. Die Wehr hatte ein Programm auf die Beine gestellt, das Maßstäbe setzte: Am Freitag / Samstag wurden die Leistungswettkämpfe durch­geführt. Am Sonntag gab es ein großes Rahmenprogramm mit einem Tandemsprung von OB Renner, Schauübungen der Hilfsorganisationen und am Nachmittag der große Festumzug mit Feuerwehren mit histori­schen Fahrzeugen, Trachtengruppen und Oldtimerfahrzeugen. Für Wagemutige bestand die Möglichkeit zur Teilnahme am Bungee-Jumping.

Freiwillige Feuerwehr Friedingen heute

Das Bild der freiwilligen Feuerwehr Friedingen hat sich seit der Gründung im Jahr 1937 in vielen Punkten geändert. Die Wehr musste sich im Laufe der Jahre der geänderten Einsatzstruktur an­passen. Neue Aufgaben kamen und werden auch weiterhin auf sie zukommen. Die technische Aus­rüstung wurde umfangreicher, die Aufgaben anspruchsvoller. Der einzelne Feuerwehrmann wird immer mehr zum Spezialisten, der eine breite Palette von komplizierten Einsatz­werkzeugen und -techniken zu beherrschen hat.

Seit 2002 steht Berndt Olbricht  als Abteilungskommandant an der Spitze der 37 Feuerwehrmänner  umfassenden Wehr. Der Altersabteilung gehören 11 Kameraden an, die sich regelmäßig zu gemeinsamen Aktivitäten treffen.

Am 09.03.2005 konnte die Wehr in Giengen bei der Fa. Ziegler ein neues Löschfahrzeug – ein MAN TSF-W Sonder in Empfang nehmen. Das alte LF8 wurde im Jahre 2006 von der Singener Wehr zusammen mit einem ebenfalls ausgemusterten LF16 an die Feuerwehr der Singener Partnerstadt Kobeljaki / Ukraine ge­spendet.

Heute kann die Friedinger Wehr als eine schlagkräftige Abteilung mit einem sehr gu­ten Ausbildungsstand bezeichnet werden, die den Anforderungen gut gewach­sen ist

Die technische Ausstattung der Wehr umfasst heute ein Löschfahrzeug MAN TSF-W, ein MTW und einen Schlauch­wagen mit 300 m Schlauchmaterial (B-Leitungen).

Im Februar 2012 wurde unter Federführung von Christian Bohnenstengel die Renovierung der Maschinenhalle in Angriff genommen. In zahlreichen Arbeitsstunden wurde der Putz ausgebessert und erhielten die Wände, Decken und auch der Fußboden einen neuen Anstrich. Die Materialkosten für diese Arbeiten wurden von der Stadt übernommen.

Die Friedinger Abteilungswehr bildet seit 2005 zusammen mit der Abteilungs­wehr Beuren eine taktische Einsatzeinheit. Bei größeren Schadensereignissen werden beide Wehren gemeinsam alarmiert. Das Kameradschaftliche wird durch gemeinsame Grillfeste gepflegt.

Die Zusammenarbeit mit der Kernwehr und der Abteilungswehr Beuren funktio­niert reibungslos, wie gemeinsame Übungen und auch gemeinsame Einsätze bei Schadensfällen beweisen.